2010-07 Venedig - www.celtic-tenors-fans.com

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2010-07 Venedig

eine Kolumne für den Sligo Weekender

Es wird gesagt, dass ‚man seine Helden niemals treffen sollte’, weil man dann nur enttäuscht wird oder er tönerne Füße hat.

Ich bin zu mehreren Gelegenheiten von meinen Helden mehr als beeindruckt gewesen. Auf der anderen Seite wäre es sehr negativ von mir, die lange Liste der Berühmtheiten aufzuzählen, von denen ich mich persönlich enttäuscht fühlte. Meine an sich gar nicht offensive Kolumne würde ins Bodenlose abstürzen. Wie meine verstorbene Mutter zu sagen pflegte...: „Wenn du nichts Gutes über jemanden zu sagen hast, sage gar nichts!“ Ich versuche, Deiner goldenen Regel treu zu bleiben, Mutter – ich tue es – aber manchmal ist es ziemlich schwer.

So um uns ein Zusammensein mit hässlichen Reden zu ersparen dachte ich daran, Euch auf eine kurze Exkursion zu einem Platz mitzunehmen, den ich bis jetzt unentdeckt gelassen habe. In einer Lagune beheimatet, durchschnitten von mehr als 200 Kanälen und doppelt so vielen Brücken, schaut Venedig wie ein gigantischer Themenpark aus, der etwas unsicher im Wasser balanciert. Als ich die schmalen Seitenstrassen Venedigs entlang wanderte, meinen Führer in der Hand, kam ich mir vor wie in einem überdimensionalen Film-Set oder Opern-Bühnenbild.

Von den langen Schlangen an Touristen gehört habend und den nicht guten Gerüchen der Kanäle des venezianischen Abfluss-Systems, beschloss ich, außerhalb der Saison hinzufahren. Das berühmte Opernhaus war offen, aber es ‚rastete’ gerade, einige Restaurants waren geschlossen, aber davon abgesehen  bewies sich, dass ich einen guten Entschluss gefasst hatte.

Mein Flug nach Venedig Marco Polo kostete hin - und retour € 80.--. Nachdem ich den größten Teil meines Lebens in Hotels verbringe, habe ich mir ein B & B (zehn Minuten von San Marco entfernt) ausgesucht- um € 40.-- pro Nacht, ein einfaches Frühstück mit eingeschlossen.  Am Flughafen kaufte ich mir ein Ticket, das Busse und Wasserbusse mit einschloss, außerdem Fähren zum Lido und zu einigen der Inseln. Gondeln verlangen exorbitante Preise. Ich widerstand der Versuchung – denn tatsächlich kann ich mein eigenes ‚O Sole Mio’ singen (und das sogar im korrekten neapolitanischen Dialekt), aber ich nahm eine ‚Mehrpersonen – Gondel’, die etwa 2 € kostet, um den Canale Grande zu überqueren. Einige werden sicher der Versuchung nicht widerstehen können, sich die Kanäle in einer persönlichen Gondel hinaufrudern zu lassen, aber das belastet das Urlaubsbudget mit 150 €  bis 200 € (ungefähr)

Venedigs historisches Zentrum beginnt bei der großartigen San Marco Basilika – der perfekte Platz, um zu starten. Wenn man sich entschließt, an der Piazza di San Marco einen Kaffee zu trinken und die Taubenschwärme zu beobachten,  welche die Touristen terrorisieren, dann sollte man ja eine Kreditkarte dabei haben oder eine Menge Geld! San Marco selbst ist atemberaubend, vielleicht im besonderen der Altar und da ich außerhalb der Saison hinkam, segelte ich direkt hinein. Der Palazzo Ducale (Dogen-Palast) nahebei  ist ein strittiges architektonisches Highlight Venedigs mit seinem künstlerischen Reichtum und dem Überfluss an Verzierungen und dem Markenzeichen ‚Seufzer-Brücke’.

Doch viele  der hunderten  von Kirchen scheinen mehr Kunst-Reichtümer zu beherbergen (um  eventuell Tizian und Canaletto herauszuheben) als einige der Museen. Als ich die Rialto - Brücke überquerte, fühlte ich mich in ein Bild von Canaletto zurückversetzt.

Die Tour durch das jüdische Ghetto hebt wieder einmal die Juden als Opfer der Geschichte hervor, aber all die verborgenen Synagogen (wahrhaftig) sind eingebettet in interessante und manchmal herzbrechende Geschichten.

Eine kurze Fährenfahrt entfernt ruht das farbenfrohe Fischerdorf Burano. Ein wenig weiter liegt Torcello, das unheimlich menschenleer war, aber vor Geschichte und Geistern überging. Einst eine große, mittelalterliche Stadt, hat Torcello jetzt eine Population von 17 Menschen und war einprägendste Überraschung meines Venedig-Aufenthaltes.

Der Platz und die Architektur des Peggy Guggenheim Museums der modernen Kunst ist unfraglich überwältigend. Ihr Leben war fesselnd, aber... nun... um den Ausspruch meiner Mutter anzuwenden... wenn man nichts Gutes über die meiste moderne Kunst sagen kann, soll man es besser lassen.

Ich habe die obligatorische Aufführung der ‚Vier Jahreszeiten’ im alten Gefängnis besucht, täglich ein Eis ausprobiert und jeden Abend zu meinem Abendessen ein Glas Prosecco getrunken. Die italienischen Bistros in Venedig mit ihrem freundlichen Personal und dem exzellenten Essen haben mich besonders angezogen.

An dreien meiner dort verbrachten Tage war wunderschönes Wetter, goldener Sonnenschein erhellte die Kanäle. Einen Tag war es neblig, aber mit einer tollen Atmosphäre.  Seit Jahrzehnten habe ich zugehört, wenn Freunde über dieses ‚Juwel in der Adria’ in Begeisterung ausbrachen und obwohl Italien meine Nr. 1 Destination für Urlaube bleibt, ist mir Venedig irgendwie immer ausgewichen. Venedig hat sich in einer Form selbst zu dem zauberhaften Status einer Heldenstadt erhoben. Und als ich es endlich schaffte, alle venezianischen Kostbarkeiten auszukosten, wurde ich aber wirklich nicht enttäuscht und es ging meiner Begeisterung nicht die Luft aus.